SCHLOSSGYMNASIUM
KIRCHHEIM
UNTER TECK
Schulversuch
MNI-PROFIL (Kurzfassung)
Das Schlossgymnasium Kirchheim ist eines von zunächst fünf
Gymnasien in Baden-Württemberg, die einen neuen Schulversuch erproben.
Ziel
ist eine Stärkung
des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts dadurch, dass
· in allen gymnasialen
Profilen alle
Schüler die gleiche Grundbildung in der Unter- und Mittelstufe
erhalten und
· darüberhinaus im
n-Profil ein bislang nicht existierendes Äquivalent zur dritten Fremdsprache
des sprachlichen Profils durch die Einführung eines neuen Faches geschaffen
wird.
Während die Schülerinnen und Schüler im sprachlichen Profil
in der dritten Fremdsprache, einem Kernfach, unterrichtet werden, erhalten die
Schülerinnen und Schüler im naturwissenschaftlichen Profil Unterricht
in einem neuen,
versetzungsrelevanten Fach. Die Abkürzung MNI steht für „Mathematik + Naturwissenschaften + Informatik“
und ist nach der ersten der Versuchsschulen auch unter dem Begriff
„Marbacher Modell“ bekannt. In Baden-Württemberg ist beabsichtigt, dieses neue
Fach als Hauptfach
ab dem Schuljahr 2004/05 unter der Bezeichnung „AnNa: Angewandte Naturwissenschaften“ im
n-Profil einzuführen.
Gemäß den Forderungen an zeitgemäße Bildung soll es gehen um
fächerverbindendes, thematisches und handlungsorientiertes Arbeiten, um das
Erschließen von Zusammenhängen zwischen Wissensbereichen, von Arbeitsweisen zur
systematischen Beschaffung, Strukturierung und Nutzung von Informationen und
Materialien, um Lernstrategien, die Selbstständigkeit und
Eigenverantwortlichkeit sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit unterstützen,
zusammengefasst um vernetztes Lehren und Lernen bei konsequenter und nicht nur
punktueller Anwendung schulisch nutzbarer neuer Informationstechniken.
Das neue Fach „Angewandte Naturwissenschaften“ ersetzt nicht
die klassischen naturwissenschaftlichen Disziplinen, sondern ergänzt sie in
einem zusätzlichen, integrierten Fach. Naturwissenschaftliche
Themen (die die Inhalte des Unterrichts in Physik, Chemie, Biologie und Geowissenschaften
ergänzen und erweitern) werden fächerverbindend, handlungsorientiert und
lebensnah behandelt. Der Ansatz, nicht nur von den klassisch getrennten
Naturwissenschaften auszugehen, sondern von einer Problemstellung, die interdisziplinär
und vernetzt
aufgegriffen und gelöst wird mit dem Ziel des Erwerbs von Schlüsselqualifikationen
und Methodenkompetenz wird auch den Forderungen gerecht, die Wirtschaft
und Industrie an eine moderne Allgemeinbildung stellen.
Auf die sprachliche Erfassung naturwissenschaftlicher
Erkenntnisse und deren Präsentation wird entsprechend dem
gymnasialen Anspruchsniveau besonders Wert gelegt.
Das eigenständige experimentelle Arbeiten, die Auswahl von
Messmethoden, die Erfassung von Messwerten und deren Auswertung und Darstellung
sowie die Simulation dynamischer Prozesse sind durchgängige, handlungsorientierte
Lernziele unter Einsatz des Computers.
Über die am Schlossgymnasium entworfenen und in der
Erprobung befindlichen Module (Statik der Flüssigkeiten und Gase;
Zellen unter dem Mikroskop; Kohlenstoff/Kohlensäure/Kalk; Karst; Bodenkunde;
dynamische Vorgänge – vernetzte Systeme; Ökologie; Computeralgebra), die in der
Anfangsphase unter dem gemeinsamen Oberthema „Kohlenstoffkreislauf“ standen,
informiert das Organigramm.
Die Wahl eines Oberthemas für drei Schuljahre (9-11)
war sinnvoll, um die beteiligten sechs Fächer gleichgewichtig in das neue
Leitfach integrieren zu können – die Wahl eines Oberthemas wird für die
Realisierung des Faches in der Fläche nicht erforderlich werden. Was sich an
der Schule sehr bewährt hat, sind v.a. zwei Punkte:
· Die Bildung eines Teams
aus anfangs 10, mittlerweile über 20 Lehrerinnen und Lehrern, die den
schulspezifischen Lehrgang gemeinsam entworfen, geplant und unterrichtet haben
und die das neue Fach verstehen als synoptische Naturwissenschaft, unterrichtet
von synergetisch zusammenarbeitenden Fachleuten.
· Unterricht in Modulen,
die in jeder Klassenstufe in Parallelklassen halbjährig „über Kreuz“ angesetzt
werden können (was die Stundenplangestaltung erleichtert) und die nicht unter
dem Primat einer Naturwissenschaft, sondern unter dem des interdisziplinären,
fächerverbindenden, vernetzenden Zugriffs stehen. Mit einem solchen modularen
Ansatz sind gleiche Ziele von „AnNa“ mit austauschbaren Themen bzw. Problemstellungen
erreichbar.
Die Schüler aller Profile (sprachlich,
naturwissenschaftlich, ggf. auch Sport, Musik, Bildende Kunst) erhalten in den
Klassen 5 bis 11 außerhalb des Profilfaches eine identische Grundbildung in
allen Fächern. Dies sichert die uneingeschränkte Wahlmöglichkeit aller Kurse in
der Oberstufe (12/13).
Das neue Fach „MNI“, künftig „Angewandte
Naturwissenschaften“, wird derzeit als versetzungsrelevantes Nebenfach
angeboten. Ab 2004 soll es flächendeckend Hauptfach sein. Das erworbene Fachwissen
und die erlangte Methodenkompetenz können im Kurssystem der Oberstufe nicht nur
in den naturwissenschaftlichen Kursen, sondern in besonders vorteilhafter Weise
auch im Seminarkurs
aller Fächer bzw. Fachkombinationen eingebracht werden.
Eine Besonderheit des Schlossgymnasiums, die nur für die
Versuchsphase gilt, liegt darin, dass
im Rahmen der NaT-Working-Konzeption der Robert-Bosch-Stiftung eine
großzügige Förderung der Module Geowissenschaften (Karst, Bodenkunde) in Klasse
10 unter der Leitung von Prof.Dr.Karl-Heinz Pfeffer, dem Leiter des Geographischen
Instituts der Universität Tübingen ermöglicht werden konnte. Dabei
kommt es zu einer Vernetzung von Schule und UNI Tübingen mit
folgenden Elementen: Einführungsreferat von Prof. Dr. Pfeffer in der Schule,
Geländepraktikum auf der Kuppenalb mit Entnahme von Bodenproben, Analytik der
Ergebnisse im Tübinger Labor und in den Computerräumen der Schule, Kontakte
zwischen Dozenten und Studenten der UNI und Lehrern und Schülern unserer Schule
im Gelände und in der Universität.